Feiertag: „Zusätzlicher“ freier Tag?

Viele Arbeitnehmer freuen sich über jeden Feiertag. Gerade in den ersten sechs Monaten des Jahres existieren diverse bundesweite Feiertage, welche vielen Arbeitnehmern einen zusätzlichen freien Tag oder ein verlängertes Wochenende bescheren können. Doch nicht alle Arbeitnehmer „gewinnen“ hier tatsächlich einen Tag.

Manche Teilzeitbeschäftigte beispielsweise müssen an dem jeweiligen Tag, auf den der Feiertag in diesem Jahr fällt, möglicherweise bereits regulär gar nicht arbeiten. Den „zusätzliche“ freie Tag hätten sie folglich sowieso gehabt. Müssen oder können sie deshalb einen Ausgleichstag unter Fortzahlung der Vergütung erhalten?

Feiertag und Vergütung durch den Arbeitgeber

Grundsätzlich hat der Arbeitgeber die Vergütung nur dann zu leisten, sofern der Arbeitnehmer die vertragliche Tätigkeit erbringt. Hiervon bestehen jedoch einige Ausnahmen. Eine Fortzahlung der Vergütung hat beispielsweise auch zu erfolgen, obwohl der Arbeitnehmer aufgrund einer Erkrankung seine Arbeitsleistung nicht erbringen kann.

Ähnlich ist dies auch bei einem gesetzlichen Feiertag. Gemäß § 9 Abs. 1 ArbZG dürfen Arbeitnehmer an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen von 0 bis 24 nicht beschäftigt werden. Dennoch hat der Arbeitgeber die entsprechende Vergütung auch für diese Tage zu leisten. Dies regelt § 2 EntgFG, wonach der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer das Arbeitsentgelt zu zahlen hat, welches dieser ohne den Arbeitsausfall infolge des gesetzlichen Feiertages erhalten hätte.

 Wichtiger Hinweis

Eine Sache sollten Arbeitnehmer in diesem Zusammenhang jedoch dringend beachten: Ein Anspruch auf Bezahlung des Feiertages besteht nicht, sofern der Arbeitnehmer am letzten Arbeitstag vor oder am ersten Arbeitstag nach dem Feiertag unentschuldigt der Arbeit fernbleibt. Auch dies regelt § 2 EntgFG.

Anspruch auf Ausgleich?

Teilzeitarbeitnehmer, die an dem Feiertag bereits regulär gar nicht tätig gewesen wären, können auch keinen Arbeitsausfall verzeichnen. Dementsprechend müssen diese auch keine Kompensation durch die Fortzahlung des Arbeitsentgeltes erhalten. Der Feiertag ist für sie nicht der Grund für den Arbeitsausfall. Der angesprochene Teilzeitarbeitnehmer hätte an diesem Tag sowieso nicht gearbeitet.

Ein gesetzlicher Anspruch auf einen Ausgleichstag unter Fortzahlung der Vergütung besteht ebenfalls nicht. Dennoch kann dies natürlich individuell zwischen den Parteien des Arbeitsverhältnisses vereinbart werden. Hierbei sollte natürlich beachtet werden, dass manche Feiertage durchaus auch auf die Wochenendtage fallen können, an denen auch Vollzeitbeschäftigte in der Regel nicht tätig sind. Auch diese erhalten in den meisten Fällen keinen Ausgleichstag. Über diese Ungleichbehandlung sollte deshalb möglichst vor Vereinbarung etwaiger Ausgleichstage nachgedacht werden.

Rechtliche Beratung

Etwas anderes könnte sich möglicherweise ergeben, sofern der Arbeitgeber den arbeitsfreien Tag eines Teilzeitbeschäftigten bewusst für den gesetzlichen Feiertag einteilt. Dies müsste dem Arbeitnehmer natürlich entsprechend nachgewiesen werden müssen. Hierbei wird es sodann auf die üblichen Dienstpläne und ähnliches ankommen.

Die Kanzlei Jöhnke & Reichow berät und unterstützt Sie gern bei der Durchsetzung Ihrer arbeitsrechtlichen Ansprüche. Auch eine frühzeitige Beratung der Arbeitgeber bei der Gestaltung des Arbeitsvertrages kann bestimmten Streitigkeiten, welche häufig kostspielige Konsequenzen nach sich ziehen können, vorbeugen. Kontaktieren Sie deshalb möglichst frühzeitig einen auf diesem Gebiet versierten Rechtsanwalt. Wir stehen Ihnen gern zur Verfügung.