So berechnet sich die gesetzliche Erbfolge

Stirbt eine Person, so wird sein Vermögen nach den gesetzlichen Regelungen aus dem (fünften Buch des) BGB vererbt, sofern kein Testament oder Erbvertrag vorhanden ist. Für folgende Ausführungen gilt immer, dass der Erblasser keinen letzten Willen verfasst hat. Wer bekommt wie viel vom Erbe?

Erbanteil des Ehegatten

Wenn der Erblasser verheiratet ist, dann steht dem Ehepartner ein Sonderstatus bei der Berechnung des Erbanteils zu. Hierbei kommt es darauf an, ob das Ehepaar im Güterstand der Zugewinngemeinschaft oder Gütertrennung lebte.

Haben die Ehegatten nichts anderes vereinbart, so leben sie für gewöhnlich im Zustand der Zugewinngemeinschaft. Hier erhält der Ehegatte zunächst pauschaliert ¼ des Erbes als Zugewinn nach § 1371 BGB. Alternativ kann er aber auch den konkreten Zugewinn verlangen. Daneben steht ihm eine weitere erbrechtliche Quote zu. Diese hängt davon ab, wer sonst noch neben dem Ehegatten erbt. Im typischen Fall, dass dies Abkömmlinge des Erblassers (z.B. Kinder) sind, beträgt diese Quote ebenfalls ¼. Insgesamt ergibt sich dadurch ein Erbteil von ½ oder anders ausgedrückt 50%.

Der gesetzliche Erbanteil des Ehegatten beim Gütestand der Gütertrennung ist mit den Abkömmlingen des Erblassers ein „gleicher“ Teil. Die genaue Quote hängt also davon ab, wie viele Abkömmlinge vorhanden sind. Nehmen wir einmal zwei Kinder an, dann bekommt jeder der drei ein Drittel des Erbes. Bei mehr als vier Kindern bleibt es ein Viertel und der Rest wird an die Abkömmlinge gleich verteilt.

Verwandtenerbrecht

Soweit ein Ehegatte nicht erbt (z.B. weil der Erblasser nicht verheiratet war), so gilt ein Verwandtenerbrecht. Grundsätzlich sind dabei zunächst die Abkömmlinge zu berücksichtigen. Erst wenn keine Abkömmlinge vorhanden sind, erben entferntere mit dem Erblasser verwandte Personen (z.B. Eltern).

Soweit Abkömmlinge vorhanden sind, gilt grundsätzlich ein Erbrecht nach Stämmen. Einzelne Kinder bilden zusammen mit ihren Nachkommen (den Enkeln des Erblassers) einen gemeinsamen Stamm. Soweit ein Kind vorhanden ist, schließt es seine weiteren Nachkommen von der Erbfolge aus. Fällt ein Kind aus (z.B. durch Vorversterben), so wird es durch seine Abkömmlinge ersetzt. Jeder Stamm erbt zu gleichen Teilen. Ein abschließendes Beispiel kann dies erläutern:

Der Erblasser war verheiratet und lebte in Zugewinngemeinschaft. Gemeinsam mit seiner Frau F hatte er zwei Kinder, nämlich A und B. Jedes dieser Kinder hat wiederum zwei Kinder, nämlich A1 und A2, sowie B1 und B2. Zum Zeitpunkt des Todes des Erblassers ist Kind B bereits vorverstorben.  

In der dieser Konstellation erbt F ½ und A ¼. B1 und B2 erben jeweils 1/8. A1 und A2 erhalten keinen Erbanteil, da A sie in der Erbfolge verdrängt.

Die vorliegenden Darstellungen sollen die Berechnung der Erbquoten nur vereinfacht darstellen. Sie ersetzen natürlich keine qualifizierte Ermittlung der Erbquoten im Einzelfall. Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte empfehlen sich im Erbfall stets an einen im Erbrecht spezialisierten Anwalt zu wenden und die Erbquoten durch diesen ermitteln zu lassen. Gerne steht Jöhnke & Reichow von ihrer Hamburger Kanzlei aus hierfür zur Verfügung.