Darf der Arbeitnehmer verlangen, dass sein Rechtsanwalt bei der Einsichtnahme in seine Personalakte anwesend ist?

Bei der Beurteilung, wie die Einsichtnahme in die Personalakte vorgenommen werden kann und soll, ist eine Gesamtwürdigung des Einzelfalls vorzunehmen. Insbesondere die Interessen des Arbeitnehmers und des jeweiligen Arbeitgebers sind gegeneinander abzuwägen.

Notwendige Interessenabwägung

Dem Interesse des Arbeitnehmers, bei der Einsichtnahme durch einen Rechtskundigen begleitet zu werden, steht das Hausrecht des Arbeitgebers gegenüber. Das Hausrecht ermöglicht es dem Arbeitgeber darüber zu entscheiden, welchen Personen er zu welchem Zweck den Zutritt zum Betriebsgelände gestattet.

Ausgestaltung im Einzelfall

Im vorliegenden Fall genehmigte der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer, Fotokopien von Schriftstücken aus der Personalakte zu fertigen. Das Bundesarbeitsgericht entschied mit Urteil vom 12.07.2016, Az: 9 AZR 791/14, dass diese Genehmigung dem Transparenzinteresse des Arbeitnehmers in hinreichender Weise Rechnung trage. Es bedürfe insofern nicht mehr der Hinzuziehung eines Rechtsanwalts.

Wahrung der Waffengleichheit

In Gestalt der Fotokopien könnten die Schriftstücke der Personalakte das Betriebsgelände „verlassen“. Außerhalb des Geländes und unabhängig von den Öffnungszeiten des Unternehmens des Arbeitgebers könnten die Schriftstücke sodann auch unter Inanspruchnahme rechtlichen Beistands studiert werden.

Die Möglichkeit der Anwesenheit eines Rechtsanwalts bei der Einsichtnahme in die Personalakte hängt von verschiedenen Variablen ab. Sollte Sie einen Rechtsstreit mit Ihrem Arbeitnehmer führen oder führen müssen, so unterstützt die Kanzlei Jöhnke & Reichow Sie hierbei gern.

Auch Arbeitnehmer beraten wir gern in rechtlicher Hinsicht bezüglich der Geltendmachung etwaiger Ansprüche gegen Ihren Arbeitgeber und stehen Ihnen hierbei anwaltlich zur Seite.

 

Rechtsanwältin Maike Ludewig

Kanzlei Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte in Partnerschaft mbB