Berufsunfähigkeit: Raubbau am eigenen Körper“ – Worauf sollte der Versicherungsnehmer achten?

Viele Versicherte merken erst spät, dass Sie sich eigentlich in einem Stadium befinden, in welchem die Ausübung der beruflichen Tätigkeit eher schadet. Gerade Selbstständige kommen schnell in eine Phase, in welcher trotz gesundheitliche Probleme einfach weitergearbeitet wird. Doch muss das sein? Darf ein Berufsunfähigkeitsversicherer dieses erwarten?

Führt der Versicherungsnehmer seine bisherige Berufstätigkeit trotz vorliegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen fort, so kann dieser Umstand grundsätzlich ein Indiz dafür darstellen, dass eine bedingungsgemäße Berufsunfähigkeit überhaupt gar nicht vorliegt (OLG Nürnberg VersR 1993, 427).

Wird die Berufstätigkeit jedoch unter Einsatz „überpflichtmäßiger Anstrengungen“, möglicherweise sogar unter Aufzehrung der gesundheitlichen Substanz ganz oder zu mehr als 50 % fortgesetzt, so besteht Versicherungsschutz für den Versicherungsnehmer.

Denn selbstverständlich kann es dem Versicherer nicht zugutekommen, wenn der Versicherte durch diese Tätigkeit nach Art und Umfang ständig gesundheitlich überfordert ist und wenn er das Risiko einer Überanstrengung und weiteren Verschlechterung seines Gesundheitszustandes in Kauf nehmen muss (OLG Bamberg VersR 1992, 1074).

Überpflichtmäßige Anstrengung kann nicht erwartet werden

Die „überpflichtmäßige Anstrengung“ kann sich dabei auch erst in einer Gesamtschau aus dem Zusammenwirken mehrerer Umstände ergeben, die für sich allein die Zumutbarkeitsschwelle noch nicht übersteigen (BGH VersR 2001, 89).

Dabei kommt auch in Betracht, dass der Versicherungsnehmer, der an sich seinen Beruf fortsetzen kann, durch krankheitsbedingt indizierte Medikamenteneinnahme weitere Gesundheitsgefahren drohen (BGH VersR 2012, 1547).

Keine Verpflichtung zum Raubbau am eigenen Körper

Übt der Versicherte seine bisherige Tätigkeit trotz behaupteter mindestens 50%iger Berufsunfähigkeit in einem diesen Prozentsatz übersteigenden Umfang aus, ist Berufsunfähigkeit dennoch anzunehmen, wenn dies auf einem im Verhältnis zum Versicherer überobligationsmäßigen Verhalten beruht. Dies kann der Fall sein, wenn die Gefahr einer Verschlechterung des Gesundheitszustands besteht (vgl. BGH VersR 1994, 587; VersR 1991, 450; VersR 1995, 159).

Der Versicherungsnehmer sollte also unbedingt prüfen (lassen), ob nicht auch eine „überpflichtmäßige Anstrengung“ vorliegt, so dass dennoch von einer Berufsunfähigkeit auszugehen ist, auch wenn der Versicherer die Berufsunfähigkeit nicht anerkennt und Leistungen ablehnt.

Der Versicherungsnehmer sollte auf keinen Fall „Raubbau“ an der eigenen Gesundheit betreiben und spätestens jetzt einen versierten Versicherungsspezialisten aufsuchen und die Entscheidung des Versicherers überprüfen lassen.

Hilfe für Versicherte durch Jöhnke & Reichow

Sollten auch Sie als Versicherter Ansprüche gegen Ihren Berufsunfähigkeitsversicherer geltend machen wollen oder müssen, so empfiehlt es sich zeitnah juristischen Rat aufzusuchen. Um auch die Obliegenheiten im Rahmen der Vermögensschadenshaftpflichtversicherung zu sprechen, empfiehlt es sich zuerst anwaltlichen Rat aufzusuchen.

Hilfe von spezialisierten Rechtsanwälten

Sofern Versicherte oder Vermittler des Versicherten Unterstützung im Versicherungsrecht, dabei speziell im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherungen, benötigen, so steht Ihnen die im Versicherungsrecht spezialisierte Kanzlei Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte aus Hamburg gern zur Verfügung.

Dabei empfiehlt es sich, jede Leistungsentscheidung des Versicherers juristisch überprüfen zu lassen, bevor ungerechtfertigte Leistungsablehnungen und / oder Leistungseinstellungen riskiert werden. Im Rahmen eines telefonischen Erstgesprächs können dabei die Chancen & Risiken des Vorgehens gegen den Versicherer besprochen werden. Holen Sie sich gern Expertenrat. Wir freuen uns auf Ihren Kontakt.

Besuchen Sie gern und Fachseite zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherungen hier.

Rechtsanwalt Björn Thorben M. Jöhnke

Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte in Partnerschaft mbB